In der Schriftenreihe Curupira sind seit ihrer Gründung im Jahr 1993
29 Bände erschienen. Ein Großteil davon sind Dissertationsschriften von Marburger WissenschaftlerInnen.

 

Neuerscheinung

Band 29: Ein Streit der Wahrheiten. Humanitarismus und Vertriebenenhilfe unter Bedingungen des bewaffneten Konflikts in Kolumbien Eine Ethnographie. Braun, Nora-Christine (2016)

Am Beispiel der Hilfe für kolumbianische Binnenvertriebene untersucht diese Arbeit, wie Menschen eine von Konflikt und Gewaltgeprägte Krisensituation zu bewältigen versuchen und auf welche Hindernisse sie dabei treffen. Bei der kolumbianischen Hilfsgemeinschaft handelt es sich nicht nur– wie es auf den ersten Blick erscheint – um eine Werte- und Aktionsgemeinschaft, sondern auch um eine Arena, in der die Akteure der Hilfe zahlreiche Konflikte austragen. Diese sind eng verflochten mit dem gesamtpolitischen Konflikt in Kolumbien, der vor allem bewaffnet ausgetragen wird. Die ethnographische Analyse der widersprüchlichen sozialen Prozesse, die im Rahmen der Binnenvertriebenenhilfe ablaufen, zeigt die Ambivalenz von Kriegsbewältigungsstrategien und die Ähnlichkeiten zwischen gewaltsamem und humanitärem Handeln auf.

CURUPIRA
ISSN 0945-8476
ISBN 978-3-8185-0523-3
EUR 23,--

Band 28: Ethnologie der flüchtigen Begegnung am
Beispiel von Motorradtourismus und Gastfreundschaft in der Türkei.

 Die Autorin bewegt sich mit ihrer Arbeit in dem mobilen Feld der Motorradreise und blickt auf Begegnungen zwischen Reisenden und Einheimischen in der Türkei. Mittels der Methode einer mobilen Forschung die ein Umdenken der ethnologischen Fachtradition von stationären Forschungen erfordert nähert sie sich einer Ethnologie der flüchtigen Begegnung. Kulturellen Kurzkontakten wird vor dem Hintergrund einer sich beschleunigenden Welt und zunehmender Mobilitäten neue Beachtung geschenkt.

 

Band 27: Der Stein im Schuh. Über friedlichen, zivilen Widerstand in gewaltsamen Konfliktregionen. Eine Fallstudie der Friedensgemeinde San José de Apartadó, Kolumbien.

In allen Konflikten der Gegenwart haben Zivilisten die meisten Opfer zu beklagen. In dem mehr als 40 Jahre andauernden bewaffneten Konflikt in Kolumbien wird die Zivilbevölkerung immer wieder zum Ziel von gewaltsamen Übergriffen sowohl linksgerichteter Guerillabewegungen als auch rechtsgerichteter paramilitärischer Gruppen und den staatlichen Sicherheitsorganen. Die Folge dieses militärischen Vorgehens sind mehrere Millionen Vertriebene, zehntausende Tote und Verschwundene sowie unzählige Entführte, Zwangsrekrutierte, Hinterbliebene etc. Seit Ende der 1990er Jahre erklären sich vereinzeln Dörfer in besonders stark umkämpften Regionen Kolumbiens zu so genannten "Friedensgemeinden". Die Bewohnerinnen dieser Gemeinden verpflichten sich zur Neutralität, verweigern die Kollaboration mit allen bewaffneten Akteuren und fordern ihr Rechte als Zivilbevölkerung vehement ein.

Der vorliegenden Band untersucht die Entstehung, Funktion und Struktur der Friedensgemeinde San José de Apartadó und geht der Frage nach, warum ihre Bewohnerinnen das Leben in diese Gemeinde  - trotz hoher Repression durch alle bewaffneten Akteure- einer Flucht vorziehen.

 

Band 26: Es war, was nicht war...Fallstudien zu Geschichtenerzählern als Träger von Oralität in Fès und Marrakech.

 "Wenn man einer Erzählung zuhört und zusieht, dann muss ich sie schauspielerisch darstellen, damit die Botschaft das Publikum erreicht […] Wenn jemand zuhört, dann taucht er in ein Meer ein, wo er schwimmt. Er betritt einen Garten, der Datteln, Gemüse, Äpfel, Bananen, Birnen, Granatäpfel enthält. Er isst, obwohl es nichts zu essen gibt. Er schwimmt im Meer, aber es gibt kein Wasser zum Schwimmen."

 

Band 25: Alltägliche Athene? Antike Objekte und Mythen für ein ethnologisches Ausstellungskonzept - Experiment und Interpretation.

 Die Darstellung des Menschen in Antikenmuseen ist Ausgangspunkt dieser Untersuchung. Dabei richtet die Autorin ihren Fokus auf die Alltagskultur und Lebenspraktiken der Menschen, welche sie in einem Ausstellungskonzept mit deren materieller Kultur kombiniert. Es werden Gründe für die unterschiedlichen Ausstellungsformen von Archäologie und Ethnologie in der Geschichte der beiden Disziplinen genannt, das Verhältnis der Moderne zu den antiken Wurzeln beleuchtet und die Möglichkeiten aufgezählt, die ein ethnologischer Umgang mit der Antike in sich birgt.

In diesem Band werden drei Ebenen eines antiken griechischen Symposions in einem Ausstellungsentwurf vermittelt: die materielle Ausstattung eines Symposienraumes, die Bedeutung des gemeinschaftlichen Trinkens und die permanente göttliche Präsenz zu jeder Alltagssituation. So entsteht ein Bild der Antike, das einen von Mythen inspirierten, jedoch nicht in ihnen verhafteten, Menschen zeigt.

 

Band 24: Die ironische Wissenschaft - Über die Brüche in der Völkerkunde (Borges, Greenblatt, Viveiros de Castro).

Es gibt keine Konstrukte (Listen, Enzyklopädien, Kulturmonographien) als Antwort (zur Frage wie man Daten lesen kann). Es gibt nur kleine Geschichten, die uns etwas vom Anderen anblicken und erblicken lassen: Geschichten vom Jaguar (dem indianischen, dem westlichen), dem Hehehehé-Tanz, dem Ara und der Schamanentrommel oder leiste Geschichten vom Ethnographen auf der Flucht der Indigenen, der Fluchzt der Indigenen vor dem Ethnographen, vom Sicherverweigern und dem Schweigen...

Insoweit gibt es nur ein >kleines< Happy End, eines mit dem Pferdefuß: Jede Schrift (auch die kleine Erzählung oder die indigene Äußerung in westlichen Gattungen) ist, wei sie fixiert wird, phantastische Literatur, ein Teil des endlosen Kannibalentextes.

Liest man einen völkerkundlichen Text auf seine Fiktionalität hin und einen fiktionalen Text auf seine völkerkundlichen Daten hin, entsteht eine unüberbrückbare Kluft zwischen Text und Date. Wie soll man lesen) Die Arbeit plädiert, mehr auf die >Fußspuren> indigener Objekte, Gedanken etc. hin zu lesen, die in westlichen Texten Fuß fassen. Diese Spuren nenne ich nach einer Erzählung des argentinischen Schriftstellers Jorge Luis Borges hrönir. In unsere Welt trudelt mittels Sprache und allgemein >Objekte< (eben hrönir) die fremde Welt ein, so auch in völkerkundliche oder belletristische Texte. Dies wird hier gezeigt mittels >Unterthemen< wie kleine >Geschichten< oder Heterologien in der Völkerkunde und den Humor, den Völkerkunde (als Theorie, als Lebensstil) entfacht. So ist die Völkerkunde eine >ironische Wissenschaft<: erstens, weil sie eine bestimmte Art des Lachens hervorruft, zweitens, weil sie in sich einen Riss trägt: den der romantischen Ironie. Romantische Ironie ist hier die Unvereinsbarkeit von Text und Leben oder Ich und Du.

 

Band 23: Indigene Kulturidentität im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne: Der Fall des Bribri-Volkes in Costa Rica.

Daniel Rojas Conejo analysiert das Spannungsverhältnis von Tradition und Moderne, in dem sich die kulturelle Identität der in Panama lebenden Bribri-Indianer ausformt. Nicht Dialog, sondern Gewalt und Unterwerfung bilden den Rahmen für diese Identitätsbildung, die zugleich Prozesse der Aneignung von Neuem zulässt. Ausgehend von einigen Ursprungsmythen der Bribri wird die inhärente Logik der Mythen und die „kulturelle Matrix“ entwickelt, welche die kulturelle Identität strukturiert. Die Komplementarität von Gegensätzen, die sich nicht ausschließen, erweist sich als fundamentaler Unterschied zur Logik der äußeren Welt. Dies ist auch im Glaubenssystem, den Schamanenpraktiken und -ritualen der Bribri gegenwärtig, denen verschiedene symbolische Bedeutungen zukommen. All dies wird zuletzt in der Konfrontation der Bribri mit ›neuen Religionen‹ virulent. Nicht die evangelikalen Sekten und die katholische Kirche, sondern die Bahai-Religion ist diejenige, welche sich am ehesten mit der Bribri-Weltanschauung von Einheit und Gleichgewicht in Einklang bringen lässt

Das Spannungsverhältnis zwischen den kulturellen Traditionen und der modernen Welt in der Bildung der kulturellen Identität der Bribri ist im Kontext eines Unterwerfungsprozesses entstanden, der den Respekt vor und die gesellschaftliche Anerkennung ihres kulturellen Anderssein verhindert. Der Autor analysiert die Auseinandersetzung zwischen Stigmatisierung bzw. Diskriminierung und Formen des kulturellenWiderstands, die alternative Identifikationsprozesse ermöglicht und dieKultur und Erfahrung der indigenen Gemeinschaft zum Ausdruck bringt.

 

Band 22: Abweichung und Außenseitertum – Die Ngäbe West-Panamas im Spiegel von Norm und Devianz.

Ethnologen haben sich seit jeher mit Außenseitern der von ihnen untersuchten Gesellschaften beschäftigt. Nicht selten waren es gerade die marginalen und abweichenden Vertreter einer fremden Kultur, die dem Ethnografen ein Gefühl von Nähe und geteiltem Verstehen geben konnten. Dennoch wurde der systematischen Untersuchung von Devianz und Außenseitertum innerhalb der Ethnologie bis in die Gegenwart nur eine geringe Aufmerksamkeit zuteil.
Christian Häusler versucht in Abweichung und Außenseitertum< diese Lücke zu schließen, indem er zunächst westliche Devianz-Theorien aus Psychologie, Medizin, Soziologie, Kriminologie und Ethnologie einer kritischen Betrachtung unterzieht und sie auf ihre interkulturelle Anwendbarkeit überprüft. Anschließend wählt er den kulturspezifischen Umgang mit Abweichung und Außenseitertum innerhalb der in Panama beheimateten Ngäbe zum Ausgangspunkt seiner ethnografischen Beschreibung eben dieser Kultur. Im Spiegel von Norm und Devianz werden die verschiedenen Lebensbereiche der Ngäbe untersucht und es entfaltet sich auf diese Weise Schritt für Schritt ein lebendiges Bild dieser indigenen Kultur.

Ausgehend von der These, der kulturspezifische Umgang mit Abweichung und Außenseitertum könne wichtige Erkenntnisse über eine Kultur als Ganzes zu Tage fördern, rücken abweichende Verhaltensweisen und marginale Lebensmodelle ins Zentrum des vorliegenden Buches. Zunächst erfolgt eine theoretische Annäherung an das Thema, verbunden mit der Präsentation und kritischen Bewertung eines breiten Spektrums wissenschaftlicher Devianz-Theorien. Anschließend wird anhand des konkreten ethnografischen Beispiels der im westlichen Panama beheimateten Ngäbe der in diesem Buch vertretene Ansatz präsentiert. Im Spiegel ihres kulturspezifischen Umgangs mit Abweichung und Außenseitertum werden verschiedene Lebensbereiche und kulturelle Institutionen wie Familie, Religion, Hexereiglaube oder die Beziehungen zu Weißen und Mestizen in den Blick genommen. Über die Erforschung des Abweichenden und Marginalen, wie sie hier amBeispiel der Ngäbe dargestellt wird, soll letztlich ein verstehender Zugang zu einer fremden Kultur ermöglicht werden, der die Brüche und Unebenheiten, die in allen menschlichen Gesellschaften auftreten, bewusst betont, statt sie in Form einer idealisierenden Beschreibung zu negieren.

 

Band 21: Geister in der Diaspora – Haitianische Diskurse über Geschlechter, Jugend und Macht in Montreal, Kanada.

Der haitianische Vodou, Volksreligion in Haiti, dient auch in der haitianischen Diaspora als zentrales Referenzsystem für die Verortung der eigenen Person und der Migrantengemeinschaft angesichts der veränderten Lebensbedingungen. Insbesondere die Geister des Vodou, ehemals durch den Sklavenhandel gemeinsam mit den Gläubigen von Westafrika in die Neue Welt verschleppt, wurden mit der Migration von Haiti nach Nordamerika zum zweiten Mal Teil einer Diaspora und passten sich erneut den veränderten Anforderungen an.

Das Buch beschreibt die Bedeutung des Vodou für haitianische Frauen, Männer und Jugendliche in Montreal, Kanada, und konzentriert sich insbesondere auf die prominente Position der Geister und ihre Transformation im Migrationskontext. Erzulie, kokette Verführerin und selbstlose Mutter, Ogou, Held vergangener Kriege und Befreier der Marginalisierten und die Marassa, die Zwillinge, die unberechenbar bleiben und sich der Ernsthaftigkeit menschlichen Lebens entziehen – sie dienen als flexible imaginäre Schablonen, die von den MigrantInnen genutzt werden, um individuelle oder kollektive Identitäten zu reflektieren, darzustellen und mit der multiethnischen Umgebung auszuhandeln.

 

Band 20: Grenzgänger zwischen Religion und Wissenschaft – Zu den vielfältigen Verflechtungen zwischen afrobrasilianischen terreiros und der sie erforschenden Anthropologie.

Im Forschungsfeld der afrobrasilianischen Religionen gelingt es nur wenigen Anthropologen, die Position des neutralen Wissenschaftlers aufrecht zu erhalten. Enge Beziehungen und Verpflichtungen gegenüber der religiösen Gemeinschaft sind sehr verbreitet. Darüber hinaus lassen sich einige Anthropologen in die erforschte Religion initiieren, ohne dadurch ihren wissenschaftlichen Status aufgeben zu wollen. Manche Religionsanhänger wiederum beschäftigen sich mit der Anthropologie und nutzen sie für ihre religiöse Praxis. Mareile Seeber-Tegethoff beleuchtet anhand von Lebensgeschichten diese vielfältigen Verflechtungen zwischen Wissenschaft und Religion und hinterfragt in diesem Zusammenhang die gedankliche Grenze, die in unserer Fachtradition Forscher und Erforschte voneinander trennt.

Die Erforschung afrobrasilianischer Religionen besitzt innerhalb der brasilianischen Anthropologie eine lange Tradition. Bemerkenswerterweise haben viele Forscher – früher wie heute – eine besondere Beziehung zur erforschten Religion aufgebaut, die weit über das hinausgeht,was innerhalb der deutschen Ethnologie gemeinhin als angemessen gilt. Parallel dazu interessieren sich viele Religionsanhänger für die Anthropologie und nutzen sie auch für religiöse Zwecke. Das vorliegende Buch beleuchtet anhand von Lebensgeschichten die vielfältigen Verflechtungen zwischen Anthropologie und afrobrasilianischen Religionen, zeigt geschichtliche Hintergründe, Ursachen und Folgen dieses Grenzgängertums auf. Die abschließende Verknüpfung des brasilianischen Phänomens mit verschiedenen international und in Deutschland diskutierten Ansätzen führt zu einem Hinterfragen der Grenze, die in der deutschen Ethnologie häufig zwischen Forschern und Erforschten gezogen wird.

 

Band 19: Bildungsbürger im Urwald - Die deutsche ethnologische Amazonienforschung (1884-1929).

»Diese Reise führte mich in Gegenden, die vor mir noch kein Weisser, geschweige denn ein Forschungsreisender betreten hatte, und zu Indianerstämmen, die fern von allem demoralisierenden Einfluss der sogenannten >Zivilisation< ihre alten Sitten und Gebräuche treu bewahrt haben und in der Tat >bessere Menschern sind als wir. Bei dem monatelangen Verkehr mit diesen meist mit Unrecht oft so geschmähten Naturkindern, dadurch dass ich mich ganz ihnen anpasste und als einziger Weisser nicht nur bei ihnen, sondern auch mit ihnen, sozusagen als Indianer unter lndianern< lebte, konnte ich einen tiefen Einblick in ihre ganzen Anschauungen gewinnen und ausser zahlreichen wolgeratenen Fotografien eine schöne, sehr seltene Stücke enthaltene ethnografische Sammlung anlegen, die schon in nächster Zeit die weite Reise nach Berlin antritt.«
Theodor Koch-Grünberg, 25. Juni 1904,
in einem Brief vom oberen Rio Negro (Brasilien)

Das Buch gibt einen umfassenden Überblick über die Expeditionen deutscher Ethnologen in das Amazonasgebiet. Die institutionelle Etablierung des Faches zur Zeit des Deutschen Kaiserreichs bildet den Hintergrund der Untersuchung. Ausgangspunkt der Arbeit sind die jeweiligen Lebenswege der einzelnen Forscher. Ihre beruflichen Werdegänge in Deutschland und ihre thematischen Schwerpunktsetzungen werden ebenso aufgezeigt, wie ihr methodisches Vorgehen sowie ihre theoretischen Überzeugungen. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen die sozialen Beziehungen zwischen Indianern und Wissenschaftlern in Amazonien sowie die Analyse der Rahmenbedingungen des Forscheralltags.

 

Band 18: Tu és quem sabe – Du bist derjenige, der es weiß – Das kulturspezifische Verständnis der Canela von Indianerhilfe. Ein ethnografisches Beispiel aus dem indianischen Nordost-Brasiliens.

Vom Wissenschaftler zum Anwalt und Helfer wurde schon so mancher Ethnologe, wenn er sich auf Feldforschung begeben und sich dort auch mit den Gegenwartsproblemen der von ihm Erforschten befasst hat. Von der weniger bekannten Fortsetzung dieses Weges, der Rückverwandlung des Helfers in einen Feld und Schreibtischforscher, handelt neben anderem dieses Buch. Hauptsächlich aber geht es dem Autor darum, von den brasilianischen Canela-Indianern zu berichten, und von seinen Erkenntnissen darüber, weshalb für viele Canela nichtindianische Helfer, die angeben, besser als die Indianer selbst zu wissen, wie Gegenwartsprobleme gelöst werden können, keine Gefahr für die kulturelle Eigenständigkeit darstellen und willkommenere Gäste sind, als diejenigen, die die größere Problemlösungskompetenz von vornherein auf Seiten der Indianer vermuten.

Ein Ethnologe, der zum Helfer oder Anwalt der Menschen wird, deren Kultur, ethnische Identität oder Ethnizität er zuvor studiert hat, ist ein häufiger anzutreffender Fall als der umgekehrte Weg, die Verwandlung vom sogenannten Experten zum Ethnologen während der Arbeit in der humanitären Hilfe oder in einem Entwicklungsprojekt. Der Autor des vorliegenden Buches arbeitete in den 1990er Jahren für längere Zeit als Projektkoordinator in einem Hilfsprogramm für die zur Gê-Sprachfamilie gehörenden Canela- Indianer in Nordostbrasilien. Er begann seine ethnologische Feldforschung über das »spezifische Verständnis der Canela von Entwicklungszusammenarbeit« mit der Erfahrung, dass im Kontext des interkulturellen humanitären Kontaktes verbale Kommunikation nicht direkt zum Verständnis kultureller Unterschiede führen muss. Der ethnologische – und schwierigere – Weg einer Verständnissuche, die Kombination von Dialogen, Beobachtungen, Auswertungen von Dokumenten und theoretischen Erkenntnissen der Wissenschaft, führt nicht mit Garantie zu einem besseren Verstehen kultureller Gegebenheiten, doch liefert er die ›dichtere Beschreibung‹ der vorgefundenen Situation, auch wenn es dabei – und dies zu zeigen ist eine der Absichten der vorliegenden Studie – immer nur um ein partielles, einem Flickenteppich vergleichbares Verständnis einer fremden Kultur gehen kann.

Band 17:  Das nordalbanische Gewohnheitsrecht und seine mündliche Dimension.

 Der Kaffee ist der Stempelt, sagte ein Mann aus Nordalbanien. Damit wollte er ausdrücken, dass unterschriebene Dokumente im heutigen Nordalbanien nicht viel bedeuten. Im Gewohnheitsrecht >Kanun< stehen Worte und Gesten am Ende eines Kompromisses, keine Verträge. Dieser performative Charakter des Kanuns wird in diesem Buch beschrieben: Der Autor sucht nach den sozio-ökonomischen und ideologischen Grundlagen des Kanuns und diskutiert dessen Beständigkeit im heutigen demokratischen Albanien.

Nach dem Zerfall des sozialistischen Einparteienstaats in Albanien 1991 etablierten sich demokratische Prinzipien nur zögerlich im Land. Eine reaktualisierte Form des traditionellen mündlichen Rechts >Kanun< trat besonders in Nordalbanien an die Stelle fehlender staatlicher Strukturen und bestimmt noch heute weite Bereiche des sozialen Lebens. In der vorliegenden Arbeit wird der Kanun als Habitus beschrieben und damit die Beständigkeit des lokalen Rechts über den Sozialismus hinaus in das demokratische Albanien diskutiert. Eine besondere Charakteristik des Kanuns liegt in der mündlichen Dimension seiner Praxis. Der Autor bezieht die abstrakte ethnologische Perspektive >Mündlichkeit< auf die spezifische ethnographische Realität des Kanuns.

 

Band 16: Our Native Thing – Studie zum Geschichtsbild Sanandresanos in der kolumbianischen Karibik.

Die Arbeit thematisiert das Zusammenspiel der Kulturen auf der kolumbianischen Karibikinsel San Andrés. Vor dem Hintergrund einer wechselvollen Geschichte der von verschiedenen Kolonialmächten regierten Insel und ihrer Bewohner diskutiert die Autorin das Spannungsfeld zwischen alteingesessenen ›Native Islanders‹ und zugewanderten ›Spaniards‹, wie es im Nebeneinander unterschiedlicher Sprachen, Religionen, Musik und anderer kultureller Ausdrucksformen den Inselalltag bestimmt. Im Mittelpunkt des Buches steht dabei die Frage nach dem Selbstverständnis der Inselbewohner in Vergangenheit und Gegenwart.


Die Karibikinsel San Andrés, einst Teil der britisch kolonisierten westindischen Inselwelt, untersteht heute dem einst spanisch kolonisierten Kolumbien. Der Kontrast zwischen den Kulturen wurde jedoch erst dann problematisch, als das ›Vaterland‹ die Menschen der Insel in seine nationale Kultur und Identität zu integrieren versuchte, – eine Rechnung, die nicht aufging. Vor dem Hintergrund des Kultur- und Identitätskontrastes zwischen alteingesessenen ›Native Islanders‹ und zugewanderten ›Spaniards‹, Englisch gegen Spanisch, Baptismus gegen Katholizismus, ›schwarz‹ der Karibik gegen ›weiß‹ Kolumbiens, geht die Autorin dem Geschichtsbewußtsein der ›Natives‹ nach. Wie beantworten sie die Frage ›Woher kommen wir und wohin gehen wir?‹ in Erinnerung an die eigene und in Abgrenzung von der kolumbianischen Geschichte? – ImNebeneinander verschiedener Stimmen von Geschichtsschreibern, Reisenden, Intellektuellen, alten und jungen ›Natives‹, beschreibt die Autorin die Gegenwart, indem sie die Vergangenheit der Insel beleuchtet.

 

Band 15: Heiler zwischen den Welten – Transkulturelle Austauschprozesse im Schamanismus Ecuadors.

Austauschbeziehungen im Schamanismus bedeuten mehr als den Transfer von Macht und Wissen zwischen Schamanen aus verschiedenen Ethnien: Die Heiler Südamerikas müssen sich heute auch mit westlicher Medizin und Esoterik, Touristen und Indianerorganisationen auseinandersetzen, um Schritt mit den Veränderungen ihrer Welt zu halten. Anhand von Fallbeispielen aus dem Hoch- und Tiefland Ecuadors untersuchen die Autoren dieses Sammelbands verschiedene Aspekte dieser Austauschbeziehungen.

 

Band 14: Wilde Denker - Unordnung und Erkenntnis auf dem Tellerrand der Ethnologie. Festschrift für Mark Münzel zum 60. Geburtstag.

 Man sollte in der Völkerkunde wieder mehr philosophische und anthropologische Fragen zulassen, Fragen nach dem Menschen und nach dem Wesen unserer und anderer Kulturen."Mark Münzel 1989 in >Trickster< 

Band 13: Moderne OralitätEthnologische Perspektiven auf die plurimediale Gegenwart.

Moderne Oralität beschreibt eine wesentliche Eigenschaft der Kommunikationsverhältnisse der gegenwärtigen Welt: Es bestehen strukturelle Ähnlichkeiten zwischen der ursprünglichen Mündlichkeit und aktuellen Kommunikationsformen.
Moderne Oralität erlangt zunehmende Bedeutung in bestimmten sozialen Sektoren moderner Gesellschaften und eröffnet den überwiegend oral geprägten Kulturen der Peripherie eine adäquatere Ebene der Darstellung.

Am Ende des 20. Jh. zeichnet sich überall auf der Welt eine Entwicklung von Kommunikationsstrukturen ab, in der die Schrift ihre dominante Stellung einbüßt. Dieses Buch geht der Frage nach, welche kulturelle Rolle Oralität heute im Kontext moderner Gesellschaften und in einer durch eine komplexe Vielfalt von Medien geprägten kommunikativen Arena spielt. >Moderne Oralität< ist mit der historischen, präliteraten Oralität durch strukturelle Ähnlichkeiten verbunden, aktualisiert diese aber unter radikal anderen (soziokontextuellen, formalen und medialen) Vorzeichen. Diese Grundannahme besagt einerseits, daß es in modernen Gesellschaften soziale Sektoren bzw. bestimmte Themenbereiche gibt, in denen orale Kommunikation die primäre Form des Informationstransfers darstellt. Die technischen Entwicklungen der Gegenwart haben diese orale >Revitalisierung< durch das immense Anwachsen mediatisierter Kommunikation gefördert. Andererseits wird diskutiert, ob eine moderne Oralität den oberflächlich literalisierten, überwiegend oral geprägten Gesellschaften der Peripherie eine kulturell adäquatere Strategie der gesellschaftlich anerkannten Kommunikation zur Verfügung stellt. Die ethnologische Perspektive ermöglicht einen Blick über die reine Medienbetrachtung hinaus und stellt die soziale Einbettung der Kommunikationskanäle in den Vordergrund.

 

Band 12: Stadt in Stücken.

Die Stadt ist ein Spiegelbild der Zerrissenheit der modernen Welt, der Auflösung scheinbar stabiler Räume und homogener Kulturen. Die Beiträge in diesem Band beschreiben die Diversität städtischer Lebenszusammenhänge und zeichnen ein Bild der Facetten reichen Persönlichkeit der jeweiligen Stadt.

Der Band umfasst neben der Einleitung elf Beiträge, die die Vielfältigkeit und die Besonderheit einer konkreten Stadt auf unterschiedliche Weisen präsentieren. Die Autoren beschäftigen sich mit Medellin (Kolumbien), Mexiko-Stadt (Mexiko), Cuenca (Ekuador), Lambajeque (Peru), Nador (Marokko), Marburg, Accra (Ghana), neue Ortschaften am Tschad-See (Nigeria) und Jakarta (Indonesien). Ziel der Beiträge ist es, die Zersplitterung der Welt im urbanen Kontext zu fassen und gleichzeitig zu zeigen, dass die jeweilige Stadt trotz der Zersplitterung in zahlreiche Stücke als Einheit weiterbesteht - und über eine >Persönlichkeit< verfügt. Die dem Band zugrundeliegende Idee ist aus einer Situationsbeschreibung entstanden, die Clifford Geertz vor einigen Jahren von der radikal veränderten ethnologischen Forschungslandschaft gegeben hat. Gerade Städte sind Orte, an denen Ethnologen die längst vollzogene Zersplitterung der einstigen (vermeintlichen) Homogenität von Gesellschaften und Kulturen studieren können.

 

Band 11: Komplexe Beziehungen – Zur Rezeption und Sozialorganisation der Schwarzen im Chocó (Kolumbien).

 Neben einer kritischen Reflexion über die Wahrnehmung des Afroamerikaners in Geistesgeschichte und Wissenschaft plädiert die Autorin für ein Verstehen der afroamerikanischen Kultur »aus sich selbst heraus«. Anstelle einer strikten Anwendung verbindlicher sozialethnologischer Begriffe wird der inneren Logik in den Auffassungen der schwarzen Chocoanos nachgegangen. Ihre Konzepte und Kategorien bilden den Ausgangspunkt für die wissenschaftliche Betrachtung.

Die Wahrnehmung des Afroamerikaners in Geistesgeschichte und Wissenschaft wird in diesem Buch einer kritischen Betrachtung unterzogen. Die Autorin plädiert dabei für ein Verstehen der afroamerikanischen Kultur »aus sich selbst heraus«. Fragen der »Familie, Ehe und Verwandtschaft« werden von ihr auf eine Weise in den Mittelpunkt gestellt, die verdeutlichen soll, wie die afroamerikanische Bevölkerung der kolumbianischen Pazifikküstenprovinz Chocö selbst sie versteht. Anstelle einer strikten Anwendung verbindlicher sozialethnologischer Begriffe wird der inneren Logik in den Auffassungen der schwarzen Chocoanos nachgegangen.

 

Band 10: Sein oder Nicht-Sein? – Fragmente eines kosmologischen Tupi-Guarani Diskurses in der neueren brasilianischen Ethnologie.

Die zentrale Frage nach den Konzepten der Person und des Körpers und der Bedeutung des Verhältnisses Alterität/ldentität wird in diesem Buch durch einen Vergleich zwischen den Kosmologien der Arawete, der Asurini und der Waiäpi erläutert. Dabei stellt sich die allgemeinere Frage nach den unterschiedlichen indianischen Weisen, die Beziehung zum Anderen zu denken, und nach dem »indianischen Perspektivismus«.

 

In den 80er Jahren wurde die Fragestellung nach einem für die Tupi-Guarani-Grup-pen adäquaten Interpretationsmodell neu formuliert, in dem anhand einer komparativen Perspektive zu den Kosmologien die Organisationsformen dieser Gruppen auf innovative Art wiederbesichtigt werden konnten. Die zentrale Frage nach den Konzepten der Person und des Körpers und der Bedeutung des Verhältnisses Alterität/Identität wird in diesem Buch durch einen Vergleich zwischen den Kosmologien der Arawete, der Asurinf und der Waiäpi erläutert. Dabei stellt sich die allgemeinere Frage nach den unterschiedlichen indianischen Weisen, die Beziehung zum Anderen zu denken, und nach dem »indianischen Perspektivismus«, wodurch diese Beziehungen zum Anderen als soziale Beziehungen - d.h. als Beziehungen zwischen Subjekten - gedacht und gelebt werden.

 

Band 9: Zwischen Poesie und Wissenschaft – Essays in und neben der Ethnologie.

Ethnopoesie ist dazwischen, weder nur Ethnologie noch nur Poesie. In einem Drahtseilakt zwischen wissenschaftlichem und freiem Schreiben legen sich die Autoren nicht auf unveränderliche Definitionen fest, sondern spielen mit dem Vorstellungsinhalt des Wortes »Ethnopoesie« auf unterschiedliche Weisen.

Der Sammelband enthält Artikel, die in interdisziplinärer Weise zum Vorstellungsinhalt »Ethnopoesie« Stellung beziehen. Neben Beiträgen, die sich speziell mit der wissenschaftlichen Debatte um Ethnopoesie beschäftigen, kommen literarische Beispiele von Künstlern und Ethnologen zu Wort. Ethnopoesie wird dabei als eine komplexe Form der Annäherung an den Beschriebenen und Beschreibenden verstanden. Die Autoren der Artikel haben dabei sehr unterschiedliche Wege beschritten, den Prozeß der Wahrnehmung des Fremden bis hin zu seiner Darstellungsform zu hinterfragen.

 

Band 8: Teufel und Heilige auf der Bühne – Religiösität und Freude bei Inszenierungen mestizischer Feste in Südamerika.

Der Karneval und katholische Heiligenfeste der mestizischen Bevölkerung Südamerikas stehen bei aller Buntheit selten im Mittelpunkt ethnologischer Forschung. Dabei dienen auch sie einer kunstvollen Selbstdarstellung.
Die beiden Autorinnen arbeiten insbesondere den Humor und die spielerischen Elemente bei den Festen heraus, welche die altbekannten kirchlichen Traditionen ausschmücken.

In dieser Arbeit werden die Ergebnisse von zwei theaterethnologischen Forschungsprojekten über religiöse Feste in Kolumbien und Ecuador vorgestellt. Dabei lenken beide Autorinnen ihr Hauptaugenmerk auf die Zusammenhänge von religiösem Ernst, dem ludischen Aspekt und dem Spaß, deren Untersuchung zum Verständnis der jeweiligen mestizischen Kulturen beitragen soll. Im ersten Teil behandelt Sol Montoya Bonilla zwei kolumbianische Karnevalsfeste, deren Analyse sie in eine Diskussion um den Begriff »Theaterethnologie« einbettet. Neben einer theoretischen Auseinandersetzung mit den Aspekten Ritual, Mestizisierung und Karnevaleskem wird die Frage nach der Ubertragbarkeit des Untersuchungsschemas zum europäischen Karneval auf Lateinamerika diskutiert. Im zweiten Teil geht es Bettina E. Schmidt bei der Auseinandersetzung mit der Theaterethnologie insbesondere um die Anwendbarkeit theaterethnologischer Ansätze in der Feldforschung. Anhand zweier Feste werden Vor- und Nachteile des theaterethnologischen Ansatzes bei der Untersuchung von Festen und dessen Beitrag zum Verständnis mestizischer Kulturen herausgearbeitet.

 

Band 7: Das Jacaré und die streitbaren Weiber – Poesie und Geschlechterkampf im östlichen Tiefland Südamerikas.

 Die Autorin befaßt sich mit der Interpretation indianischer Erzählungen, die vom »Kampf der Geschlechter« handeln. In der Vergangenheit galten sie als Bindeglied zur griechischen Amazonensage.
Die daraus abgeleiteten Beweise für eine Frauenherrschaft oder eine Legitimation der Männerherrschaft und der Unterdrückung von Frauen bedürfen der Revision: denn weder Mythen noch Riten können als direkter Ausdruck des Geschlechterverhältnisses gelten. Plädiert wird für ein umfassenderes Mythen­verständnis im Spannungsfeld von »Terror und Poesie«, das innerhalb des gesellschaftlichen Kontextes situiert ist.

 

Band 6: Die Macht der Gegenstände – Menschen und ihre Objekte am oberen Xingú, Brasilien.

Für die ethnologische Theoriebildung spielte materielle Kultur seit der sozialwissenschaftlichen Wende eine untergeordnete Rolle, und die wissenschaftliche Arbeit an Museen mit ihren besonderen Ressourcen blieb in der Fachdiskussion unberücksichtigt.
Materielle Kultur ist ein Symbolsystem neben anderen (Sprache, Musik, Bildende Kunst). Mit ihren besonderen Eigenschaften ist sie geeignet, den individuellen Menschen in der Welt zu verankern und seiner Kultur unter den vorherrschenden geographischen und ökologischen Gegebenheiten Dauer zu verleihen.

 Die Autorin untersucht die Fachgeschichte auf ihre Einstellungen zu Gegenständen, stellt die materielle Kultur von Amazonasindianern im Sinne einer symbolischen Anthropologie mit der Gesamtkultur in Verbindung und schlägt so die Brücke zwischen Museumsarbeit und dem Fach Ethnologie

 

Band 5: Ethnologie und Inszenierung – Ansätze zur Theaterethnologie.

Die Ethnologie mit ihrer hohen Tugend des Respekts vor fremden Kulturen läuft manchmal Gefahr, vor lauter Respekt den Schalk, das Spielerische, das künstlich und mit Spaß Inszenierte zu übersehen.
Mit einem bewußt offenen Überblick über die Theaterethnologie möchten wir die Vielfalt der Möglichkeiten zeigen, durch die Einbeziehung des Theatralischen die Ethnologie zu bereichern.

 

 

Band 4: Kopfgeburten – Die Ethnographie der Yanomami als literarisches Genre.

Hören Sie, sagte er, Sie können ruhig glauben, daß ich nicht aufrichtig bin, in dem Sinne, wie Sie den Begriff verstehen, meine Gefühle entstehen nur durch eine wahrhaftige Fiktion. Ihre Art von Aufrichtigkeit halte ich für eine Art Armut, die höchste Wahrheit besteht in der Fiktion, das war schon immer meine Überzeugung."

(aus Lissabonner Requiem von Antonio Tabucchi)

Am Beispiel dreier Monographien über die in Venezuela beheimateten Yanomami-lndianer untersucht der Autor die literarische Kraft ethnographischer Texte. Dabei verbindet er seine Thesen mit eigenen Schreibexperimenten. Letztlich stellt die Interpretation der Ethnographien zugleich einen Appell zu einem veränderten Leseverhalten dar.

 

Band 3: Verflechtungen - Indianische Mythologie des Amazonasgebietes: Jenseits von Wort und Bild.

Eines der essentiellen Merkmale amazonischer Mythologie ist die Mobilität der Grenzen. Man kann diese Mobilität bei menschlichen und spirituellen Wesen, beim Menschen und der tierischen und pflanzlichen Welt feststellen, ebenso auch im Fehlen einer Schöpfung als absolutem Beginn; stattdessen stößt man auf die Transformation aller Lebewesen.

Die Mythologie des Amazonasgebietes bietet keine endgültigen Erklärungen oder Antworten auf existentielle menschliche Fragen; ihre Stärke liegt in der Flexibilität.

 

Band 2: Von Geistern, Orichas und den Puertoricanern – Zur Verbindung von Religion und Ethnizität.

Kann sich nicht jede Gruppe ihre Ethnizität zimmern, ob es nun den anderen gefällt oder nicht - so wie die Spiritisten sich je nach Bedarf ihre Geisterphalanx "zusammenrufen"?

Frelich kann man die Präsenz der Geister nicht erzwingen oder lenken, aber auch nicht unterdrücken oder verdrängen.

Band 1: Kultur und Ethnizität – Eine Begriffrevision am Beispiel andiner Verhältnisse: Salasaca, Ecuador.

 "Ich will nicht vergessen, was mich meine Vorfahren gelehrt haben. Ich bin runa - immer und überall!" (Eine junge Frau aus Salasaca, Ecuador)
Ist der Rückzug ins ethnische tatsächlich nur die ultima ratio all derer, denen die Gesellschaft keine andere Perspektive bereithält?
Mit dem Blick auf Lebenspraxis und Symbolwelt einer indianischen Dorfgemeinschaft wirft die Arbeit ein Schlaglicht auf die kulturelle Dimension ethnischer Identität.