Was ist Kultur- und Sozialanthropologie?

 

Zielsetzungen

Im Mittelpunkt anthropologischer Interessen stehen Unterschiede, aber auch Übereinstimmungen in der Lebensweise verschiedener Menschengruppen auf allen Kontinenten. EthnologInnen geht es darum, die Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen kultureller Lebensweisen und damit auch fremder Gesellschaften zu verstehen.

Außerdem will man durch die Sichtweise auf das Fremde zu einem besseren Verständnis und einer besseren Reflexion der eigenen Kultur gelangen.

Inhalte und Arbeitsbereiche

Als universitäre Wissenschaft ist Kultur- und Sozialanthropologie mit den Lebensweisen (Kultur) verschiedener Ethnien auf der ganzen Welt befasst.

Da Kultur nicht als ein statisches Gebilde verstanden wird, sondern als etwas Veränderbares, interessieren Kultur- und SozialanthropologInnen sich ebenso für Phänomene kulturellen Wandels.

Kultur- und Sozialanthropologie widmet sich inhaltlich allen Teilbereichen der Kultur und will diese nach den unterschiedlichsten Fragestellungen untersuchen. Da es aber einzelnen Kultur- und SozialanthropologInnen nicht möglich ist, alle erdenklichen Forschungsbereiche im Rahmen ihrer Arbeit abzudecken, haben sich innerhalb des Faches differenzierte Teilbereiche herausgebildet.

Kultur- und SozialanthropologInnen konzentrieren sich daher im Normalfall auf einen oder mehrere Teilbereiche der Kultur- und Sozialanthropologie und ergänzen sich damit gegenseitig. Die gängigsten Schwerpunkte sind regional, man spezialisiert sich auf einzelne Kontinente, Teilkontinente oder Länder.

Die zweite Schwerpunktsetzung bezieht sich auf kulturelle Teilbereiche. Dazu gehören zum Beispiel Wirtschaftsanthropologie, Sozialanthropologie, Politikanthropologie, Rechtsanthropologie, Religionsanthropologie, Kunstanthropologie, Materielle Kultur und Ethnolinguistik.

Andere Kultur- und SozialanthropologInnen spezialisieren sich mehr auf theoretischer Ebene und widmen sich bestimmten Fragestellungen, theoretischen Forschungsansätzen oder Arbeits- und Anwendungsbereichen wie der Ethnohistorie, Ethnopsychiatrie, Kognitiven Ethnologie, Museumsanthropologie oder auch methodologischen Fragen.

 

Methoden

Um die gewünschten Informationen für diese Zielsetzungen zu erhalten, wenden Kultur- und SozialanthropologInnen seit Anfang des 20. Jahrhunderts die Methode der Feldforschung in ihrer Ausprägung der Teilnehmenden Beobachtung an.

VölkerkundlerInnen/EthnologInnen versuchen dabei persönlich am Leben der zu untersuchenden Menschengruppe teilzunehmen und selbst eine Rolle in der jeweiligen Gesellschaft zu übernehmen. Dafür ist im Idealfall ein Zeitraum von mindestens einem Jahr vorgesehen. Die Forschungsergebnisse werden anschließend vergleichend analysiert und interpretiert.

 

Literatur/Quellen:

Beer, Bettina; Fischer, Hans 2003 (Hrsg.): Ethnologie: Einführung und Überblick. Berlin: Reimer. 443 S.

Hirschberg, Walter (Hrsg.) 1999: Wörterbuch der Völkerkunde. Berlin Reimer. 427 S.

Streck, Bernhard (Hrsg.) 2000: Wörterbuch der Ethnologie. Wuppertal: Edition Trickster im Peter Hammer Verlag. 431 S.

Homepage des Fachgebietes für Völkerkunde in Marburg